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Dominanz und Verlust von Hengstlinien in der Vollblutzucht

In der Vollblutzucht haben sich im Laufe der Zeit immer wieder besonders starke Hengst-und Stutenlinien heraus kristallisiert und die Zucht auch dominiert. Für einen Hengst ist dies im Vergleich zur Stute auch wesentlich einfacher da er generell deutlich mehr Nachkommen hat als eine Stute. Dennoch haben es auch viele Stuten geschafft eine bis heute aktive und erfolgreiche Mutterlinie zu begründen, aber dies ist ein eigenes Thema. Es ist aber auch auffällig, das manche Hengstlinien auch mit der Zeit an Einfluss verlieren und ganz aussterben, wie z. B. Teddy, Tourbillon oder in Deutschland Ticino, um nur einige zu nennen. Dabei spielen die stetig gewachsene Globalisierung und die Entwicklung des Marktes eine entscheidende Rolle.

International dominieren heute die Hengstlinien von Northern Dancer und Native Dancer. Der brillante, aber kleine Kentucky Derby-Sieger Northern Dancer war ein Kraftpaket voller Energie und Charisma, sein Einfluss ist weltweit unverändert stark und mit Sadler‘s Wels und dessen bestem Sohn Galileo sowie dem Danzig-Sohn Danehill mit seinen männlichen Nachfahren stehen für ihn absolute Ausnahme-Vererber zu Buche, wobei man aber die stetig gestiegene Anzahl der Bedeckungen pro Hengst und Deckjahr nicht außer Acht lassen darf.

Der Schimmel Native Dancer war ebenso brillant und charismatisch wie Northern Dancer. Von seinen männlichen Nachfahren nahm der schnelle Mr. Prospector den meisten Einfluss, zunächst vor allem in den USA, aber auch vermehrt in Europa, wobei hier aktuell der Top-Vererber Dubawi das Aushängeschild darstellt. Native Dancer lässt sich via Polynesian, Unbreakable und Sickle auf den Polymelus-Hengst Phalaris zurückführen, während Northern Dancer über Nearctic,Nearco und Pharos auf Phalaris zurückgeht, so dass dieser als ein ganz besonderer Vererber angesehen werden muss.

Der erstklassige Nearco hat sich als der Stammvater der modernen Vollblutzucht erwiesen. Der Nearco-Sohn Nasrullah begründete vor allem über seine Söhne Bold Ruler, Never Bend und Grey Sovereign führende eigene Hengstlinien, die bis heute aktiv und erfolgreich sind. Ebenso hat sich auch der im Epsom Derby 1972 erfolgreiche Hail To Reason-Sohn und Turn-To-Enkel Roberto als Enkel des Nearco-Hengstes Royal Charger als eine feste Größe als Hengste-Vererber erwiesen. Hail To Reason wiederum ist zudem der Erzeuger des Kentucky Derby-Siegers und japanischen Stammhengstes Sunday Silence sowie des in Südamerika so einflussreichen Southern Halo. Der Turn-To-Sohn Sohn Sir Gaylord hatte wiederum mit Habitat und Sir Ivor zwei hoch erfolgreiche Söhne von denen Sir Ivor als der Vater des australischen Stamm-Verebers Sir Tristram Berühmtheit erlangte.

In der Geschichteder Vollblutzucht spielten die klassischen Rennen stets einebesondere Rolle, die Sieger dieser „Zuchtrennen“ und vor allemdes Derbys galten als züchterisch besonders wertvoll. Die deutsche Vollblutzucht war ganz auf diese Klassiker ausgelegt mit dem Derby als Mittelpunkt. So ist es kaum verwunderlich, dass sich von Derby-Siegern geprägte männliche Linien auch in der Vererbung hervor taten.

Der 1942 im Deutschen Derby erfolgreiche Ticino war trotz seiner kurzen Deckzeit – er war mit 17 unfruchtbar - auch nach heutigen Maßstäben ein absoluter Top-Vererber, der auch international Einfluss nehmen konnte. Ticino ging über Athanasius, Ferro, den einflussreichen Landgraf und Louviers auf den brillanten Epsom Derby-Sieger und führenden Deckhengst Isinglass zurück. Ticino selbst stellte elf klassische Sieger inklusive der in beiden englischen Stutenklassikern nicht zu schagenden Klassestute Bella Paola sowie der vier Deutschen Derby-Gewinner Neckar, Nordlicht, Orsini und der Stute Lustige. Neckar und Orsini erwiesen sich selbst als Spitzen-Vererber mit internationalen Erfolgen, aber sie konnten diese Hengstlinie dennoch nicht erhalten. Das letzte Aushängeschild war der 1974 im Deutschen Derby erfolgreiche Orsini-Sohn Marduk, ein Bild von einem Pferd, sehr gut gezogen, aber leider ein schwacher Vererber, der nur über einige seiner Töchter Einfluss nehmen konnte.

Der 1948 im Deutschen Derby und dem Derby der DDR erfolgreiche Birkhahn geht über die Derby-Sieger Alchimist und Herold auf den importierten Dark Ronald zurück, dessen Erzeuger Bay Ronald auch der Vater von Bayardo ist, dessen Sohn Gainsborough wiederum den Epsom Derby-Sieger und führenden Vererber Hyperion stellte, der vor allem in Australien über seinen Enkel Star Kingdom großen Einfluss nahm und noch nimmt sowie der gleichen Mutterlinie zuzuordnen ist wie der zuvor erwähnte Sir Tristram.

Birkhahn nahm seinen Haupteinfluss über Literats besten Sohn, den deutschen Stammhengst Surumu, Sieger im Deutschen Derby 1977 und Vater der Deutschen Derby-Sieger Acatenango, Mondrian und Temporal sowie des Derby Italiano-Gewinners Osorio. Als Deckhengst führte der wie sein Vater auch international profilierte, mehrfache Champion-Vererber Acatenango das Erbe erfolgreich weiter, seine Nachkommen Lando, Nicaron und die Stute Borgia gewannen das Deutsche Derby, während Blue Canari im französischen Derby erfolgreich war. Lando profilierte sich ebenfalls als führender Deckhengst, sieben Gruppe I-Sieger stehen für ihn zu Buche, aber leider konnte keiner seiner Söhne sich durchsetzen, so dass auch hier diese Hengstlinie wohl am Ende ist.

Der 1979 als immer noch einziger deutscher Triple Crown-Sieger bewährte Königsstuhl lässt sich über den brillanten Meiler Dschingis Khan als Vater des weiteren Derby-Siegers Orofino, sowie Tamerlane und Persian Gulf auf den englischen Triple Crown-Sieger Bahram als als einen der besten Söhne des Champions Blandford zurückverfolgen, der zu seiner Zeit als der führende klassische Einfluss galt und dessen 1930 im Epsom Derby erfolgreicher Sohn, der sehr eng gezogene Blenheim, in England und den USA als führender Vererber brillierte.

Blandford ist über Swynford und John O‘Gaunt ein Ur-Enkel von Isiglass wo diese Linie bei Ticino anschließt. Königsstuhls bester Sohn ist ohne Zweifel der deutsche Ausnahme-Vererber Monsun, dessen internationaler Einfluss gewaltig ist, vor allem natürlich auch dank der modernen Globalisierung der Vollblutzucht. Es ist jetzt an Monsun und seinen männlichen Nachfahren diese Hengstlinie zu erhalten, in Deutschland ruhen die meisten Hoffnungen aktuell auf dem Fährhofer Maxios und dem in Röttgen wirkenden Protectionist.

 

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